Der erste Eindruck ist umwerfend. Hier scheint alles zu stimmen. Super geschlossenes CD mit perfekt unterstützender Werbung. Besonders die Verpackungsausstattung ist kompromisslos hochwertig, ja einmalig. Hier wird die Premiummarke neu erfunden. Der Vergleich zu klassischen Marken wurde bei der „Feinen Welt“ nicht gescheut, durch die Hochwertigkeit der Verpackungs sogar oft übertroffen. Trotzdem tritt das Erscheinungsbild sehr streng und geschlossen dem Verbraucher entgegen. Die Größe eines normalen REWE Marktes lässt die wenigen Artikel in der Summe gut platziert wirken. Ein sehr gelungenes Beispiel für den Widerspruch, geschlossenes CD gegenüber dem Zwang sich der Markengestaltung anzunähern. Denn das Selbstverständnis der Eigenmarke „Feinen Welt“ ist sehr groß. Reduzierte Elemente im Design können sich entfalten und stellen einen selbstbewussten Auftritt zur Show.
Probieren wollen aber sicher viele. Eine sehr sorgfältige Artikelauswahl ist hier Pflicht, beste Produktqualität ist Voraussetzung. Änderungen in der Auswahl werden sicher erfolgen und die gesamte Sortimentsgröße ist bestimmt limitiert. Sonst ist alles perfekt? Wo ist das Risiko?
Kommerziell ist eine Betrachtung abzuwarten und kleine Zweifel sicher anzumelden. Bestimmt werden nicht alle Artikel einschlagen und in Massen dem Verbraucher den stolzen Preis aus der Tasche locken können; und das in der Krise. Besonders die hochwertige Verpackung wird zum Gradmesser des Gewinns werden und die Drehzahl negativ beeinflussen.
Aber steht hier vielleicht eine höhere Strategie im Raum? Will die REWE das Gesamtprofil anheben und ausbauen? Ist es nicht logisch, die Tiefe des Sortiments möglichst groß zu halten? Will oder soll sich der Kunde, der seinen Zieleinkauf tätigt nicht mit der „Feinen Welt“ ein bisschen belohnen, verwöhnen oder seine Lieben zu Hause überraschen? Erwartet der Verbraucher beim klassischem LEH-Kaufmann nicht einen wirklichen Unterschied zum Discounter?
Das muss die REWE wissen.
Sollte dieses Beispiel Schule machen, wird unsere Einkaufswelt sicher bereichert. Ein Gegengewicht zur übermächtigen „Billg-Welt-die-aber-Top-Qualität-hat“ sollte auch ein Image gewinnen, das ein entsprechendes Gesicht hat. Es gibt Menschen, die sich an Genuss und Design erfreuen wollen und gerne dafür bezahlen möchten, aber nicht zum Delikatessengeschäft zig Kilometer weit fahren wollen. Und die einzige Frage ist: Gibt es genug solcher Menschen?

Ich habe letztens zu einer Chips-Tüte der Marke „REWE’s feine Welt“ gegriffen und dies erst zuhause festgestellt. Die Verpackung sieht absolut hochwertig aus und daher bemerkt man im ersten Moment nicht, dass es sich um eine Eigenmarke von REWE handelt. Abgesehen davon schmeckten die Chips auch noch unheimlich lecker! Ich werde hier auf jeden Fall wieder zugreifen.
Da frage ich mich beim Uberfliegen ja schon, ob man selbst nicht komplett auf den Kopf gefallen war. Herzlichen Dank fur deine Erlauterungen